Aktuell Herbst 2003
Jahrhundertjahrgänge
Aktuell September 2003

Rieslingtraube im September 2003
Der Jahrhundertjahrgang findet statt!
Noch nie war die Vegetation zu diesem Zeitpunkt soweit fortgeschritten,
noch nie wurden so hohe Öchslegrade wie derzeit gemessen - und
- was das wichtigste ist: Die Wetteraussichten kündigen eine
stabile Hochdruckwetterlage an. Nochmals Sonne und Trockenheit!
War uns die Trockenheit im Sommer nicht
immer recht - jetzt ist sie von ausschlaggebender Wichtigkeit. Denn
unter diesen Bedingungen können die Trauben ohne Fäulnis
weiterreifen.
Die Wettersituation im September und
Anfang Oktober sind letztendlich für die Güte eines Jahrganges
entscheidend. Die Traubenentwicklung eines noch so schönen Sommers
kann durch einen nassen Spätsommer und Herbst zunichte gemacht
werden.

Bereits Mitte September gut durchgefärbter
Schwarzriesling
Die Einmaligkeit des diesjährigen
Jahrganges werden auch durch die folgenden Graphiken des Deutschen
Wetterdienstes belegt. Man sieht hier sehr schön die Vergleiche
zu den bisherigen "Jahrhundertjahrgängen wie z.B. 1921,
1934, 1947 und 1976.
In den Graphiken sind nicht die Absolutwerte,
sondern die jeweilige Abweichung vom Durchschnittswert aufgetragen.
Das bedeutet, je höher eine Säule nach oben / unten geht,
desto größer ist die Abweichung und desto extremer war
das jeweilige Jahr.
Wie Hans-Helmut Schmitt vom Deutschen
Wetterdienst ausführt, fällt das laufende Jahr bei der Mitteltemperatur,
die bei 15,5°C liegt, besonders aus dem Rahmen. Noch nie gab es
einen so warmen Zeitraum April bis August. Sogar das Jahr 1947, das
bisher immer als Maß aller Dinge galt, wird in diesem Jahr übertroffen.
Nicht ganz so extrem ist es bei der
Sonnenscheindauer. Hier liegt der Mittelwert bei 1049 Stunden, das
Jahr 2003 dürfte "nur" auf Platz drei kommen. "Sonnenjahr
Nr. 1" bleibt 1947, gefolgt von 1976. Das laufende Jahr wird
etwa so viel Sonne haben wie das Jahr 1921. Jenes sagenhafte Jahr
1921 wird hingegen unerreicht bleiben, was das Ausmaß der Trockenheit
betrifft. Alte rheinhessische Winzer erzählen, dass in diesem
Jahr der Most "wie Cognac aus der Kelter gelaufen sei",
wohl als Folge welken Erntegutes. In der Rangliste der Trockenjahre
folgen dann 1976, 1947 und 1991.
Spitzenplatz bei der Sonnenscheindauer:
Quelle:
DDW. Für eine größere Ansicht klicken Sie auf die
Grafik.
Außergewöhnliche Trockenheit:
Quelle:
DDW. Für eine größere Ansicht klicken Sie auf die
Grafik.
Höchste Durchschnittstemperatur
April bis August
Quelle:
DDW. Für eine größere Ansicht klicken Sie auf die
Grafik.
Eine endgültige Einstufung eines Weinjahrganges in die Reihe
der "Jahrhundertjahrgänge" ist allerdings erst (und
verständlicherweise) in der Nachbetrachtung möglich.
Mit dem erforderlichen Zeitabstand können
definitiv als "Jahrhundertjahrgänge" eingestuft werden:
1993, 1990, 1976, 1971, 1959, 1953, 1949, 1945, 1937, 1921, 1920,
1911.
Glaubt man einschlägigen Prognosen
der Klimaexperten, werden hierzulande immer länger werdende Sonnenscheinperioden
und Gluthitze häufiger zu erwarten sein. Wie Dr. Norbert Becker
vom Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg feststellte, treten die einzelnen
Stadien der Rebentwicklung bereits heute um sieben bis 12 Tage früher
ein als im Durchschnitt der letzten 40 Jahre.

Nussbäume werden in ihrer Vegetationsentwicklung
schon von jeher den Weinbergen gleichgesetzt: Wie man sieht - die
Nuss fällt gleich vom Baum!!